Ein Stück Stacheldraht, ein Brillengestell, alte Schuhe, Löffel und Essgeschirr: Was Archäolog*innen auf dem Gelände der heutigen Westfalenhallen ausgraben, erzählt vom Leben und Leiden der Menschen im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag VI D. Die Fundstücke sind jetzt in einer Ausstellung in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses zu sehen. Sie macht deutlich, wie Hunger, Mangel und Zwangsarbeit den Alltag der Gefangenen während des Zweiten Weltkriegs prägten.
Alltägliche Gegenstände erzählen Geschichten
Die Gegenstände wirken unscheinbar und machen doch die Lebensbedingungen im Lager greifbar. Kleidung und Schuhe verschlissen bei der schweren Arbeit und mussten repariert oder umgearbeitet werden. Schuhreste, Schuhnägel und Werkzeuge aus einer freigelegten Abfallgrube belegen, dass Gefangene ihr Schuhwerk selbst instand hielten. Viele mussten Holzschuhe tragen, die bei der Arbeit in Fabriken zu Verletzungen führen konnten.
Die Ausstellung zeigt auch, wie unterschiedlich die Gefangenen behandelt wurden. Die nationalsozialistische Rassenideologie bestimmte wesentlich über Versorgung und Überlebenschancen. Besonders sowjetische Kriegsgefangene litten unter Hunger, mangelhafter Versorgung und systematischer Entrechtung. Insgesamt waren dem Stalag VI D zeitweise bis zu 77.700 Kriegsgefangene zugeordnet. Die meisten mussten in mehr als 600 Arbeitskommandos außerhalb des Hauptlagers Zwangsarbeit leisten. Auch Briefe, Fotografien und Dokumente der Wehrmacht geben Aufschluss über das Leben im Lager und die Organisation dort.
Erinnerung als Auftrag für die Zukunft
Oberbürgermeister Alexander Kalouti sprach zur Ausstellungseröffnung im Rathaus und begrüßte zugleich zur Info-Veranstaltung zum weiteren Umgang mit den Funden. „Der lange Weg zu einem dauerhaften Gedenken liegt noch vor uns“, sagt Kalouti. „Wir stehen nicht am Ende eines Prozesses, sondern erst am Anfang. Niemand sollte den Eindruck haben, die entscheidenden Fragen seien bereits beantwortet. Wir wollen diesen Weg transparent, fachlich fundiert und im Dialog gehen. Unser Anspruch ist es, die beste und praktikabelste, zugleich aber immer die würdigste Lösung zu finden.“
Mit Blick auf die Bedeutung der historischen Aufarbeitung sagte Kalouti: „Die Erinnerung soll uns helfen, die Gegenwart zu verstehen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Die Ausgrabungen erinnern uns daran, wohin die Missachtung der Menschenwürde führen kann.“
Die Westfalenhallen planen auf dem Areal den Bau zweier Messehallen mit dem neuen Eingang Süd sowie ein Kongresszentrum. Parallel soll ein dauerhafter Erinnerungsort für das Stalag VI D. entstehen. Die archäologischen Untersuchungen und die wissenschaftliche Auswertung liefern wichtige Grundlagen für die weitere Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes und die Überlegungen zu einer dauerhaften Form des Erinnerns.
Kostenloser Besuch bis zum 26. Oktober
Die Ausstellung in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses, Friedensplatz 1, ist noch bis einschließlich Montag, 26. Oktober, kostenlos zu den Öffnungszeiten zugänglich: Montag bis Mittwoch von 8 bis 15:30 Uhr, Donnerstag von 8 bis 17 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr. Am Wochenende bleibt das Rathaus geschlossen.
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
