Übergang von Schule in Beruf: 100 Dortmunder Gesamtschüler*innen haben einen KI-Berufsberater getestet. Erste Phase des Pilotprojekts ist jetzt abgeschlossen.
Spike und Neo heißen die beiden virtuellen Coaches, die die Schüler*innen durch ein KI-gestütztes Abfrageprogramm begleiten. 100 Schüler*innen der neunten und zehnten Klassen der Anne-Frank- und Martin-Luther-King-Gesamtschule haben den Chatbot auf Herz und Nieren geprüft.
Bevor der KI-Bot an den beiden Schulen getestet werden konnte, waren zahlreiche Abstimmungen und eine umfassende datenschutzrechtliche Prüfung nötig. Wichtig ist, dass keine Daten der jungen Nutzer*innen gespeichert werden, selbst als Name wird ein Spitzname verwendet. Die erste Phase des Pilotprojekts ist jetzt abgeschlossen.
KI wird aus lokalem Angebot gespeist
Aber wie funktioniert so ein KI-Berufsberater? Zunächst mal die technische Seite: Spike und Neo basieren auf der Anwendung „API“ von OpenAI. Das Programm greift vor allem auf die vorhandenen Daten von Dortmund at work zurück. Die städtische Internetseite dient schon lange als Plattform für den Übergang von Schule in Beruf: Hier stellen Unternehmen ihre Ausbildungsangebote ein, informieren über sich, es gibt eine Börse für Praktikumsplätze. „Das ist die Grundlage für die Recherche des Chatbots. Spike und Neo konzentrieren sich so auf Angebote aus Dortmund“, sagt Simone Goßling vom Regionalen Bildungsbüro im Fachbereich Schule.
Die Jugendlichen starten den Chatbot in einem geschlossenen Bereich auf der städtischen Internetpräsenz dortmundatwork.de. Dort müssen sie drei Fragen beantworten:
- Wobei fragen dich andere um Hilfe?
- Was macht dir so viel Spaß, dass du dabei die Zeit vergisst?
- Wofür begeisterst du gerne andere?
Die offen gestalteten Fragen sorgen dafür, dass sich die Jugendlichen mit sich selbst auseinandersetzen müssen. Goßling: „Der KI-Chatbot unterstützt sie dabei, ihre eigenen Stärken und Interessen besser einzuordnen und passende Berufsfelder kennenzulernen.“ Am Ende präsentieren Spike und Neo fünf Ausbildungsberufe, die an den Vorgaben der Jugendlichen orientiert sind.
Chatbot sorgt für eine erste Orientierung
Zu den möglichen Ausbildungsberufen bietet der KI-Chatbot noch tiefer gehende Informationen: Welche Unternehmen aus Dortmund bilden auf dem Gebiet aus? In welchen Branchen könnte man noch arbeiten? Wie viel können die Schüler*innen während und nach der Ausbildung verdienen? Das gibt ihnen eine erste Orientierung im oft unübersichtlichen Dschungel der Berufs- und Ausbildungswelt.
Simone Goßling und das Team des Regionalen Bildungsbüros haben die Jugendlichen beim Umgang mit dem KI-Bot begleitet. Sie sind gespannt auf die Eindrücke und Anregungen der ersten Tester*innen, die sie durch einen Fragebogen auswerten.
Resonanz ist gut
Bei den Schüler*innen der Anne-Frank-Gesamtschule scheint der KI-Chatbot erst einmal gut anzukommen: „Mir hat der Chatbot sehr geholfen. Allerdings würde ich mir noch genauere Fragen wünschen“, sagt Tester Armanto Cakri (16). Auch Mario Marsavela (17) ist zufrieden: „Neo kommt sofort auf den Punkt. Er bietet mir an, mich für Bewerbungsgespräche zu schulen. Das finde ich richtig gut.“ Der Chatbot bestärkt den Schüler sogar, sich für ein Studium zu interessieren.
Philip Stratmann ist der Koordinator für berufliche Orientierung an der Anne-Frank-Gesamtschule. Mit dem ersten Testlauf ist auch er zufrieden: „Ich finde, der KI-Chatbot verschafft unseren Schülerinnen und Schülern Ideen zu möglichen Ausbildungen, die sie sonst vielleicht übersehen hätten.“ Gespannt ist er auf die Auswertung der Fragebögen. Die zentrale Frage wird hier sein, ob die Schüler*innen sich wirklich vom Chatbot beraten lassen.
Unterstützung für eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben
Die Idee für den digitalen Berufsberater ist aus der Gesamtstrategie Schule-Arbeitswelt entstanden. Hier arbeiten Schüler*innen, Unternehmer*innen, Wissenschaftler*innen, Schulen und Verwaltung sehr eng gemeinsam am Übergangssystem zwischen Schule und Ausbildung. Mit dem Pilotprojekt erprobt Dortmund, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, um junge Menschen bei einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens zu unterstützen.
Die beiden Gesamtschulen gehören zu den sechs Dortmunder Schulen, die Teil des Ausbildungspakts sind. Dieser will junge Menschen der neunten und zehnten Klassen gezielt auf den Übergang in eine duale Ausbildung vorbereiten und ihnen eine gute Anschlussperspektive bieten. Das Projekt ist seit 2016 eine gemeinsame Initiative des Regionalen Bildungsbüros im Fachbereich Schule der Stadt Dortmund, des Vereins schul.inn.do e.V. und weiteren Akteur*innen aus der Stadt Dortmund, um Jugendliche bei ihrem Schritt in die Arbeitswelt zu stärken und zu unterstützen.
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
