Die Bochumer Choreografin und Performerin Esther Manon Siddiquie präsentiert mit „Invisible“ eine neue Performance und Installation im SUPERRAUM Dortmund. Sie thematisiert damit erstmals das umfangreiche Filmarchiv ihres Vaters Shabbir Siddiquie. Das Archiv dokumentiert mehr als 20 Jahre Filmarbeit über UNESCO-Welterbestätten in Deutschland und im Ausland. Doch Siddiquie interessiert sich nicht für die fertigen Filme. Sie fragt vielmehr, welche Geschichten im Archiv fehlen und welche Erfahrungen nie festgehalten wurden.
„Invisible“ ist vom 3. bis 17. Juli 2026 im SUPERRAUM Dortmund (Brückstraße 64) zu erleben. Die erste Performance beginnt Freitag, am 3. Juli um 19 Uhr, die weiteren Termine sind jeweils am Freitag, 10. und 17. Juli, um 19 Uhr zu sehen und laufen in englischer Sprache. Die Installation ist donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 12 bis 18 Uhr zu sehen.
Hintergrund: Das Unsichtbare sichtbar machen
Ausgangspunkt ist ein unvollendetes Filmprojekt über das Bauhaus Dessau, an dem Shabbir Siddiquie von 1996 bis 2016 arbeitete. Aus diesem Material entwickelt Esther Siddiquie eine persönliche Auseinandersetzung mit Erinnerung und Geschichte. Sie verbindet autobiografische Erzählungen mit gesellschaftlichen Themen und macht sichtbar, was in offiziellen Geschichtsbildern häufig ausgeblendet bleibt: Zum Beispiel die Lebensrealitäten ehemaliger Vertragsarbeiter*innen in der DDR und koloniale Spuren in der Architektur des Bauhauses.
Künstlerinnen-Statement: Erinnerung als lebendiger Prozess
Für Siddiquie ist ein Archiv kein abgeschlossener Ort der Vergangenheit. Vielmehr versteht sie es als Raum, in dem Geschichte immer wieder neu erzählt, hinterfragt und ergänzt wird. „Als ich 2018 das Filmarchiv meines Vaters erbte, war ich zunächst überfordert. Lange dachte ich, es sei die schiere Menge des Materials, die mich erdrückte. Erst später wurde mir klar, dass ich um etwas anderes trauerte: um all das, was in den Aufnahmen nicht sichtbar wird“, so Esther Manon Siddiquie.
Zwischen Performance, Objekt und Installation entwickelt sie eine künstlerische Praxis, die den Blick bewusst auf das richtet, was bislang unsichtbar geblieben ist. „,Invisible‘ ist ein persönlicher Versuch, diese Trauer ernst zu nehmen. Die Arbeit richtet den Blick auf die Geschichten, Beziehungen und Erfahrungen, die nicht dokumentiert wurden und dennoch ins Archiv eingeschrieben sind. Sie versucht, ein Inventar dessen zu erstellen, was fehlt. Wie jedes Inventar bleibt auch dieses unvollständig, eröffnet aber eine Perspektive auf die Nachwendezeit, die im Kontext von UNESCO-Welterbestätten oft unbeachtet bleibt“, sagt Siddiquie.
Kurzinfos
„Invisible“ von Esther Manon Siddiquie ist vom 3. bis 17. Juli im SUPERRAUM Dortmund zu erleben
SUPERRAUM, Brückstraße 64, 44135 Dortmund
Unterstützt durch DORTMUND KREATIV, storyLab kiU, Fachhochschule Dortmund und atelier automatique
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
