Zwei Drittel der Bauanträge in Dortmund kommen unvollständig an
Wer in Dortmund baut, verzögert sein eigenes Projekt oft unfreiwillig, weil die Anträge nicht vollständig sind. Aktuelle Zahlen der Dortmunder Bauaufsicht zeigen, dass Baugenehmigungen im Mittel 233 Tage nach dem Antragseingang fertig sind. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob es sich bei den Bauanträgen um ein normales Verfahren oder das vereinfachte Verfahren für Wohngebäude handelt. Die Stadtverwaltung nennt nun die konkreten Gründe für diese langen Laufzeiten und stellt Pläne vor, wie die Verfahren künftig schneller laufen sollen.
Unvollständige Anträge bremsen das Verfahren
Die Statistik der Behörde zeigt eine klare Ursache für Verzögerungen: Planende und Bauherren reichen 64 Prozent aller Bauanträge unvollständig ein. Das Amt kann diese Anträge daher oft wochenlang nicht bearbeiten. Im Schnitt vergehen 50 Tage, bis alle Dokumente vollständig vorliegen. Mehr als die Hälfte dieser unvollständigen Anträge wird am Ende sogar automatisch beendet, weil die Antragstellenden Fristen verpassen oder mangelhafte Unterlagen nachliefern.
Die Statistik der Behörde für den Beispielmonat März 2026 zeigt, welche Dokumente am häufigsten fehlen: Im März reichten Planungsbüros und Bauherren von 153 Bauanträgen insgesamt 78 unvollständig ein. Bei den 78 mangelhaften Anträgen mussten die Mitarbeitenden der Bauaufsicht fehlende Angaben vor allem bei Bauantragsformularen, Baubeschreibungen, Berechnungen sowie Lagepläne und Bauzeichnungen nachverlangen. Das Spektrum reicht von fehlenden Kreuzen und Angaben zu Gebäudeklassen über falsche Vordrucke und fehlerhafte Angaben zu Stellplätzen und Barrierefreiheit bis hin zu Maßstab-Fehlern oder fehlender Kennzeichnung von neuen und alten Bauteilen.
Erst wenn die Unterlagen komplett sind, prüft die Bauaufsicht zügig. Im normalen Verfahren braucht sie dafür im Schnitt 67 Tage. Allerdings sind häufig noch andere Fachämter oder weitere Stellen zu beteiligen – dann kann es insgesamt länger dauern.
Die Bauaufsicht prüft derzeit gemeinsam mit beteiligten Ämtern der Stadt Dortmund, wie sich Engpässe beseitigen und Prozesse beschleunigen lassen. Seit Anfang September gilt eine neue Rechtslage, nach der die Ämter im vereinfachten Verfahren nur noch einen Monat Zeit für ihre Stellungnahme haben.
Politische Schleifen und Personalnot als Hürden
Zwei weitere Faktoren verlängern die Verfahren in Dortmund:
- Mitbestimmung: Dortmund gehört zu den wenigen Städten in NRW, in denen die Bezirksvertretungen Mitspracherecht bei bestimmten Bauvorhaben haben. Die Verwaltung muss sich hier nach den Sitzungskalendern der Politik richten.
- Fachkräftemangel: In den technischen Abteilungen der Bauaufsicht sind derzeit mehrere Stellen unbesetzt. Weil der Arbeitsmarkt hier wie leergefegt ist, stellt die Stadt inzwischen auch Bewerber*innen ohne Berufserfahrung ein. Diese müssen die Fachleute im Amt erst aufwendig anlernen.
Mehr Service und Digitalisierung für schnellere Genehmigungen
Um die Abläufe zu beschleunigen, setzt die Bauaufsicht auf eine neue Strategie. Sie setzt auf einen engen, offenen Austausch mit den Planenden. Ein erstes großes Treffen fand bereits Ende Juni 2026 statt, um wiederkehrende Probleme direkt anzusprechen und zu lösen. Die wesentlichen Punkte der Strategie:
- Mehr frühe Beratung: Das Amt will Vorabstimmungen für große Bauprojekte ausweiten. Wenn Planer ihre Entwürfe vor dem eigentlichen Antrag mit der Behörde besprechen, lassen sich Fehler frühzeitig vermeiden. Die Herausforderung dabei ist, die rechtlich nicht vorgesehene Vorberatung als freiwillige Leistung in den Arbeitsalltag zu integrieren.
- Feste Austauschformate: Treffen mit Vermessungsbüros sollen wiederkehrende Probleme dauerhaft lösen.
- Digitale Bauakte: Die Stadt treibt die Digitalisierung aller Aktenbestände voran. Das Ziel sind digitale Archive, damit auch die Bürger*innen ihre Hausakten schneller und einfacher online einsehen können.
- Neue Personalreserven: Die Stadt bildet seit Sommer 2026 wieder verstärkt eigene Verwaltungskräfte aus. Im technischen Bereich bildet sie Stadtbauoberinspektor*innen aus – hinzu kommen Dualstudierende.
Bereits im Mai 2025 hat die Bauaufsicht ihre eigene Organisationsstruktur neu geordnet. Eine Auswertung im Jahr 2027 soll zeigen, wie gut die neuen Strukturen und Serviceangebote wirken und wo gegebenenfalls nachgesteuert werden kann.
Baugenehmigungsverfahren ist komplex
Baugenehmigungen sind äußerst komplexe Verfahren: Bis zu 100 Prüfschritte und mehr als 80 beteiligte Stellen innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung können notwendig sein – von der Behindertenbeauftragten über die Hausnummernvergabe (bei Neubauten) und verschiedene Ordnungs- und Umweltbehörden bis hin zur Deutschen Bahn oder Stadtentwässerung. Hinzu kommt, dass sich die rechtlichen Vorgaben regelmäßig ändern. Es ist daher auch sehr verständlich, dass eingereichte Unterlagen Fehler enthalten und Mängel haben.
Hintergrund: Aufgaben der Bauaufsicht
Eine Bauaufsicht bearbeitet nicht nur Bauanträge oder Bauvoranfragen. Sie ist darüber hinaus auch eine Ordnungsbehörde. Sie überwacht, dass Gebäude rechtskonform errichtet oder verändert werden. Bei Gebäuden mit besonderem Gefahrenpotential (z.B. Krankenhäusern, Schulen oder dem BVB-Stadion) überprüft sie regelmäßig, ob die geltenden Regelungen noch eingehalten werden. Sie greift ein, wenn Gefahr droht oder bauordnungsrechtliche Regelungen nicht eingehalten werden. Darüber hinaus ist sie Prüfstelle für die sogenannten Fliegenden Bauten wie zum Beispiel besondere Zelte, Verkaufsstände, Tribünen oder Fahrgeschäfte.
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Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
