Sie kamen zum Arbeiten nach Deutschland, bauten sich ein neues Leben auf und blieben doch mit ihrer alten Heimat verbunden. Viele griechische Arbeitsmigrant*innen hielten ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen in persönlichen Aufzeichnungen fest. Eine Lesung im Hoesch-Museum (Eberhardstr. 12) bringt diese individuellen Stimmen am Sonntag, 6. September, um 14 Uhr zu Gehör.
Der Rundfunkredakteur Jürgen Werth liest aus „Die Reise“ von Sotirios Kolokythas. Der pensionierte Lehrer Dr. Eleftherios Tellidis aus Dortmund stellt sein Buch „Sorgen in der Fremde“ vor. Maria Laftsidis-Krüger aus Wanne-Eickel liest aus ihrem Roman „Vom Pontos in den Pott“. Die drei Bücher verbinden biografische Elemente mit Erinnerungen und Erfahrungen der ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter*innen. Sie erzählen vom Aufbruch, vom Leben zwischen zwei Welten und von der Frage, was Heimat bedeutet, wenn man sie zurücklässt.
Literatur ergänzt historische Fotografien
Die Lesung begleitet die Sonderausstellung „Wie’s innen aussieht, geht niemand was an… Dortmunder Griechen 1976“, die bis zum 20. September 2026 verlängert wurde. Sie schlägt eine Brücke zwischen den persönlichen Geschichten der Autor*innen und historischen Bildern aus dem Leben der griechischen Community in Dortmund.
Vor 50 Jahren dokumentierten die jungen Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge im Rahmen der Dortmunder Auslandskulturtage 1976 den Alltag griechischer Arbeitsmigrant*innen. Ihre kontrastreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen Menschen bei der Arbeit, in der Schule, mit ihren Familien, in der Freizeit und in der Gemeinde. Die Fotografien machten eine Lebenswelt sichtbar, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkam. Heute eröffnet die Ausstellung einen neuen Blick auf die Bilder von damals: Veränderte Lebensbedingungen und die gewachsene gesellschaftliche Teilhabe der griechischen Community ergänzen die historische Perspektive.
Erinnerungen machen Geschichte persönlich
Die Lesung setzt dort an, wo historische Fotografien an ihre Grenzen kommen: bei den persönlichen Gedanken und Gefühlen der Menschen, die ihre Erfahrungen selbst festgehalten haben. Ihre Geschichten geben der Geschichte der Migration eine individuelle Stimme und zeigen, wie unterschiedlich Ankommen, Fremdsein und Heimat erlebt werden.
Zur Ausstellung ist ein Begleitheft erschienen. Es ist für 5 Euro im Museumsshop oder per E-Mail und Vorkasse über info@hoesch-museum.de erhältlich. Der Eintritt ist frei, auch der Besuch der Ausstellung ist kostenlos.
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
