Pilotprojekt zur KI-gestützten Videobeobachtung startet
26.08.2026
DSW21 testet auf der Verteilerebene im Hauptbahnhof eine innovative Technologie, die größere Menschenansammlungen erkennen soll. Datenschutz und Datensicherheit werden dabei nach strikten Standards gewährleistet. Der Einsatz wird umfassend evaluiert.
Auf der Verteilerebene über der Stadtbahn-Station »DO-Hauptbahnhof« startet DSW21 ein Pilotprojekt zur KI-gestützten Videobeobachtung. Körperliche Auseinandersetzungen sollen dadurch noch früher erkannt werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Großveranstaltungen bzw. größeren Menschenansammlungen, die mit dem menschlichen Auge und herkömmlichen Kameras häufig nur schwer zu erfassen sind. Ziel ist es, die Sicherheit von Fahrgästen und Mitarbeitenden noch weiter zu erhöhen und wertvolle Praxis-Erfahrungen mit dem gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu sammeln. Unterstützt wird DSW21 dabei von der Essener Firma Staige, an der auch das Dortmunder IT-Unternehmen Adesso beteiligt ist. Der Kontakt zur Firma Staige wurde über den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vermittelt.
Es werden von der KI zu keiner Zeit biometrische Daten ausgewertet. Die finale Bewertung einer Situation und die Entscheidung über etwaige Maßnahmen liegen weiterhin ausschließlich in der Hand der Mitarbeitenden von DSW21.Innovative Technologie erproben
„Wir möchten die neuen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz in der Praxis austesten und schauen, inwieweit unsere Fahrgäste und Mitarbeitenden davon im Alltag direkt profitieren können. Ich sehe es auch ein Stück weit als unsere Pflicht an, dass wir uns mit diesen richtungsweisenden Zukunftsthemen sorgfältig und in aller Ruhe auseinandersetzen“, sagt Ulrich Jaeger, Verkehrsvorstand von DSW21. Das Pilotprojekt startet Ende August nach einer umfassenden Vorbereitungsphase und in enger Abstimmung mit dem DSW21-Betriebsrat und dem Team Datenschutz und Informationssicherheit.
Jan Taube, CEO bei Staige: „Mit dem Pilotprojekt am Dortmunder Hauptbahnhof zeigen wir, wie KI-gestützte Sicherheitstechnologie in der Praxis funktioniert: präzise, datenschutzkonform und mit dem Menschen im Mittelpunkt. Unsere Technologie versteht Situationen, bevor sie eskalieren – und gibt dem Sicherheitspersonal genau die Informationen, die es braucht, um schnell und angemessen zu handeln. Wir freuen uns, mit DSW21 einen Partner gewonnen zu haben, der diesen Ansatz konsequent mitträgt.“Keine zusätzlichen Kameras – lokal installierter KI-Server
Im Rahmen des auf mehrere Monate angelegten Pilotprojekts wertet ein lokal installierter KI-Server die Bilder der bereits vorhandenen sieben Videokameras auf der besagten Verteilerebene aus. Der Server ist nicht mit dem Internet verbunden. Auch werden keine zusätzlichen Kameras für das Pilotprojekt installiert, sondern nur bestehende genutzt. Es geht letztlich um eine Ergänzung zum bestehenden Video-Management-System – siehe Übersichts-Grafik.
Die eingesetzte semantische KI vergleicht die aktuellen Kamerabilder mit hinterlegten Mustern körperlicher Auseinandersetzungen. Dabei wird nicht nur eine einzelne Bewegung betrachtet, sondern die gesamte Situation in ihrem räumlichen und visuellen Kontext. Auf diese Weise können beispielsweise alltägliche Bewegungsmuster, Verdeckungen oder schwierige Lichtverhältnisse besser eingeordnet werden.
Stellt das System mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Muster fest, das auf eine mögliche körperliche Auseinandersetzung hindeutet, erhalten die Mitarbeitenden in der DSW21-Leitstelle einen entsprechenden Hinweis. Erst dann wird das zugehörige Livebild dort auf einem zuvor schwarzen Monitor eingeblendet.
Die abschließende Prüfung und Bewertung obliegt ausschließlich den Mitarbeitenden der Leitstelle. Sie entscheiden auf Grundlage der persönlichen Sichtung und anhand der bestehenden Richtlinien, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Gegebenenfalls werden – wie bei anderen sicherheitsrelevanten Ereignissen auch – Service- und Sicherheitskräfte sowie die zuständigen Ordnungsbehörden benachrichtigt.
Größere Menschenansammlungen im Fokus
„Wir haben uns genau überlegt, an welcher Stelle uns die künstliche Intelligenz voraussichtlich den größten Mehrwert bieten kann. Und da sind wir schnell auf Großveranstaltungen und größere Menschenansammlungen gekommen. Diese sind mit dem menschlichen Auge und mit den Video-Kameras häufig nur schwer im Detail zu erfassen. KI kann hier womöglich ein hilfreiches Werkzeug sein“, sagt DSW21-Projektleiter Leon Herf und fügt an: „Auf der Verteilerebene über unser Stadtbahnstation im Hauptbahnhof gibt es diese Menschenansammlungen im DSW21-Kontext am häufigsten. Daher haben wir diesen Standort für dieses Pilotprojekt ausgewählt.“ Ziel ist demnach, etwaige körperliche Auseinandersetzungen noch frühzeitiger zu erkennen und in Zukunft noch schneller entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Keine biometrische Auswertung – Keine Verlängerung der Speicherfristen
Die KI wertet dabei zu keiner Zeit biometrische Daten aus. Eine automatisierte Identifizierung von Personen findet nicht statt. Das System ist ausschließlich für die Erkennung möglicher körperlicher Auseinandersetzungen im definierten Einsatzbereich vorgesehen.
Das Pilotprojekt führt zudem zu keiner Verlängerung der bestehenden Speicherfristen der Videobeobachtung. Die Video-Bilder werden weiterhin nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben verarbeitet und gemäß den definierten Fristen automatisch gelöscht – sofern keine gesetzlich zulässige Ausnahme, etwa zur Aufklärung eines konkreten Vorfalls greift.
Mitarbeitende von Anfang an einbezogen – Umfassende Evaluation
Die Mitarbeitenden der DSW21-Leitstelle wurden im Vorfeld ausführlich informiert und auf den Einsatz der KI vorbereitet. Während des Pilotprojekts werden sie eng begleitet. Ihre Erfahrungen, Fragen und Hinweise fließen in die abschließende Bewertung des Projekts ein.DSW21-Verkehrsvorstand Ulrich Jaeger dazu: „Wir machen eine umfassende Evaluation des Pilotprojekts, in die verschiedenste Aspekte einfließen werden. Wenn wir unter dem Strich eine klare Verbesserung durch den KI-Einsatz feststellen, dann möchten wir diese Lösung dauerhaft vor Ort einsetzen.“
Weitere Informationen zu dem Pilotprojekt gibt es auf der Webseite: www.bus-und-bahn.de/ki-videobeobachtung.
Über die Staige One AG
Die Staige One AG hat ein innovatives, KI-basiertes System (Software plus Kameratechnik) entwickelt, das Feldsportarten wie Fußball, Handball, Reiten, Feld- und Eishockey etc. aufzeichnen kann und damit Trainern und Spielern auch im Breitensport ermöglicht, das Spielgeschehen in Echtzeit und im Nachhinein zu analysieren. Die KI-gestützte Software wurde in Zusammenarbeit mit der adesso SE entwickelt, die größter Einzelaktionär der Staige ist und mit Prof. Volker Gruhn den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt. Strategischer Partner von Staige ist u.a. auch der BVB, der unter der Leitung von Lars Ricken das Staige-System für den Jugend- und Nachwuchsbereich mitentwickelt hat. Der BVB ist darüber hinaus auch selbst Aktionär der Staige One und mit seinem Finanzvorstand Thomas Treß im Aufsichtsrat vertreten. Die Daten für die KI-gestützten Analysen stammen inzwischen aus mehr als 250.000 Sportveranstaltungen, die Staige in den letzten Jahren erfasst und ausgewertet hat. Den sich aus diesen Erfahrungen ergebenden einzigartigen Mix aus KI-Expertise in der Bildbe- und -verarbeitung, den Fähigkeiten in der Nutzung und Entwicklung diverser Hardwarelösungen zur Bildgenerierung sowie der speziellen Software-Plattform, die flexibel für diverse Use-Cases entwickelt wurde, nutzt Staige One seit 2025 beim Aufbau des neuen Geschäftsbereichs „Staige for Industries“. Hier entwickelt Staige One auf Basis von KI-Bildverarbeitung spezielle Lösungen für den Non-Sports-Bereich für unterschiedlichste Use-Cases in vielen Bereichen wie z.B. der inneren und äußeren Sicherheit, der Industrie, Logistik und dem Handel, und führt diese Anwendungen zur Marktreife.
Foto 1: Die Verteiler-Ebene über der Stadtbahnstation am Hbf. Quelle: Jörg Schimmel_DSW21
Foto 7 Gruppenfoto: Staige-CEO Jan Taube, DSW21-Verkehrsvorstand Ulrich Jaeger, Martin Boosfeld (Kompetenzcenter Sicherheit beim VRR) und DSW21-Projektleiter Leon Herf, (von links nach rechts). Quelle: Büsra Sönüksün_DSW21
