Ein kleiner Parasit bringt Ameisen dazu, sich an Grashalmen festzubeißen. So steigt die Chance, dass sie von einem Schaf gefressen werden und der Parasit seinen Lebenszyklus fortsetzen kann. Was wie Science-Fiction klingt, ist eine erstaunliche Strategie aus der Natur. „Denn so schafft er es, von einem Schaf in ein anderes zu kommen“, beschreibt Dr. Jan-Michael Ilger, Kurator der Ausstellung am Naturmuseum Dortmund, diesen raffinierten Lebenszyklus. Präparate, Modelle und anschauliche Einblicke zeigen Besucher*innen eine Welt, die sich meist unseren Blicken entzieht. Mal ein bisschen eklig, mal einfach faszinierend. Manche Parasiten sind winzig, andere überraschend groß. Einige wirken beinahe kunstvoll, andere lösen spontan Unbehagen aus.
Zwischen Ekel und Ästhetik
Würmer, Zecken und andere Parasiten – viele Menschen reagieren zunächst eher mit Abwehr als Neugier. Die Ausstellung setzt dem eine überraschende Perspektive entgegen. „Die Ausstellung ist einfach optisch schön“, sagt Ilger. „Wenn man an Parasiten, an Würmer, Zecken und all solches Zeug denkt, dann ist man ja irgendwie schnell angewidert. Und hier ist das sehr ästhetisch präsentiert.“ Diese Präsentation mit ihren Leuchtsäulen und großformatigen Bildern soll eine Hemmschwelle abbauen. So wird aus einem Thema, das viele Menschen lieber ausblenden, eine spannende Entdeckungsreise.
Über 100 Exponate: Vom Milbenkörper bis zum Kopf eines Bandwurms
Mehr als 100 Exponate verteilen sich auf zehn Themenbereiche. Originalpräparate, Modelle, Grafiken und mikroskopische Aufnahmen machen sichtbar, was dem bloßen Auge sonst verborgen bleibt – vom winzigen Milbenkörper bis zum Kopf eines Bandwurms, dessen Haken sich in der Darmschleimhaut verankern. Die ungewohnte Gestaltung lädt dazu ein, genauer hinzusehen und die eigene Abneigung zu hinterfragen. Denn Parasiten sind nicht nur faszinierende Überlebenskünstler, sondern auch Teil natürlicher Lebensgemeinschaften. Sie beeinflussen Ökosysteme und zeigen, wie eng Lebewesen miteinander verflochten sind.
Vom Haustier bis zum Großstadtdschungel
Parasiten sind nicht nur in exotischen Lebensräumen zu Hause. Auch im Alltag können Menschen ihnen begegnen: über Haustiere, ungekochte Lebensmittel, auf Reisen oder im eigenen Wohnumfeld. Kopfläuse, Bettwanzen, Milben und Zecken haben sich an das Leben mit Menschen angepasst. Füchse, Waschbären und andere Wildtiere bringen ihre Parasiten zudem in urbane Lebensräume. Ilger sieht darin eine wichtige Ergänzung zur Dauerausstellung des Naturmuseums, die sich vor allem mit der Tier- und Pflanzenwelt Dortmunds und seiner Umgebung beschäftigt. Die Sonderausstellung richtet den Blick auf weltweite Zusammenhänge: „Das erweitert das Spektrum und trägt die Welt noch mal hier ins Museum.“
Wenn Parasiten der Medizin helfen
So unangenehm manche dieser Lebewesen wirken: Ihre besonderen Eigenschaften können auch dem Menschen zugutekommen. Blutegel werden in der Medizin beispielsweise eingesetzt, um Blutstauungen zu lindern. Fliegenmaden können bei der Reinigung bestimmter Wunden helfen. Die Forschung untersucht zudem, wie sich die Wechselwirkungen zwischen Parasiten und Immunsystem medizinisch nutzen lassen.
Ein Blick hinter die Ekelgrenze
Dass die Ausstellung auch für Familien geeignet ist, davon ist Ilger überzeugt. Gerade Kinder begegneten den Exponaten häufig mit großer Neugier. Wer sich darauf einlässt, entdeckt nicht nur außergewöhnliche Überlebenskünstler, sondern auch neue Perspektiven auf die Natur und das Zusammenleben der Arten. Klimawandel und Globalisierung spielen dabei eine wichtige Rolle. Veränderte Temperaturen können die Ausbreitung von Parasiten und ihren Überträgern begünstigen. Durch Handel und Reisen gelangen Arten in neue Regionen, in denen einheimische Tiere mit ihnen unter Umständen nicht zurechtkommen. Ein Beispiel ist die Varroamilbe, die ursprünglich die Asiatische Honigbiene befällt und nach ihrer Ausbreitung auch für die Westliche Honigbiene zu einer großen Gefahr geworden ist.
„PARASITES – LIFE UNDERCOVER“ lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Wer sich darauf einlässt, entdeckt in der neuen Sonderausstellung im Naturmuseum nicht nur außergewöhnliche Überlebenskünstler, sondern auch überraschende Perspektiven auf die Natur und das Zusammenleben der Arten.
Kurzinfos:
„PARASITES – LIFE UNDERCOVER“ – bis zum 4. April 2027
Naturmuseum Dortmund, Münsterstraße 271, Dortmund
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei.
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
