Perspektiven für das Azad-Haus am Hansaplatz

Machbarkeitsstudie hilft bei der Mieter*innen-Suche / Bergmann Brauerei hat Interesse an Teilfläche

Gefördert durch ein Landesprogramm für große Einzelhandelsimmobilien hatte die Stadt die Studie Anfang 2026 gemeinsam mit der Eigentümerfamilie Azad angestoßen. Die Familie möchte ihr Teppichgeschäft aufgeben, das Haus aber behalten und die bisherige Verkaufsfläche vermieten. Den Auftrag, die Möglichkeiten des Gebäudes auszuloten, erhielten die Planungsbüros raumwerk.architekten und IRI Dortmund.

Die Expert*innen nahmen das denkmalgeschützte Gebäude von 1905 unter die Lupe und prüften alle baulichen und rechtlichen Bedingungen. Auf dieser Grundlage entwickelten sie fünf realistische Varianten für eine künftige Aufteilung und Nutzung. Zwei davon betrachteten sie in Abstimmung mit der Stadt und den Eigentümern vertieft. Ausgeklammert war dabei die Fläche der Systemgastronomie im südlichen Erdgeschoss – diese wird unverändert bestehen bleiben.

Großes Potenzial nach wirtschaftlichem Umbau

„Die Immobilie hält im jetzigen Zustand durchaus einige Herausforderungen bereit – etwa durch das zum Hansaplatz höher gelegene Erdgeschoss, welches in Zukunft besser angebunden werden sollte“, sagt Ragnhild Klußmann, Inhaberin von raumwerk.architekten. „Aber das Haus hat auch großes Potenzial mit seinen großen Flächen, der guten Lage und der markanten Architektur.“ Die vielleicht wichtigste Botschaft an die Eigentümer: „Für den Umbau muss man zwar durchaus Geld in die Hand nehmen, doch diese Investitionen lohnen sich wirtschaftlich, wenn es gelingt, die Flächen langfristig zu vermieten“, erklärt Michael Heinze vom IRI.

Das Hauptaugenmerk lag bei den vertieften Varianten auf der künftigen Nutzung von Erdgeschoss und erstem Obergeschoss. Beide sind jeweils mehr als 1.000 Quadratmeter groß. „Was an dieser prominenten Stelle gerade im Erdgeschoss passiert, hat große Bedeutung für den Hansaplatz und das ganze Hansaviertel“, betont Citymanager Tilmann Insinger. „Die City braucht hier Nutzungen, die sich ins Umfeld öffnen, es beleben und die Vielfalt des Angebots bereichern.“

Die Bergmann Brauerei aus Dortmund steht bereits seit längerem im intensiven Austausch mit der Eigentümerfamilie. Das Unternehmen hat Interesse, eine Fläche im Erdgeschoss der Immobilie zu betreiben. Die Pläne würden nun weiterverfolgt. Das gab Carlo Raphael, Geschäftsführer der Bergmann Brauerei, am Freitag (25. September) bei einem Pressegespräch im Azad-Haus bekannt.

Flexiblere Nutzungen ermöglichen

Die Voraussetzungen stimmen, denn: Die Studie schlägt vor, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss im Gegensatz zu heute baulich komplett zu trennen. Dies ermöglicht flexiblere und kleinteiligere Nutzungen. Barrierefreie Zugänge seien zu ergänzen, der repräsentative Eckeingang mit der Treppe vom Hansaplatz solle aber natürlich erhalten bleiben. Er könnte theoretisch in Zukunft das Entree nicht mehr nur für eine, sondern für mehrere verschiedene Nutzungen im Erdgeschoss bilden.

„Wichtig ist, dass eine künftige Flächenaufteilung nicht in Stein gemeißelt wird“, betont Architektin Klußmann. Der Umbau solle die Möglichkeit zur Reaktion auf künftige Neuerungen mitdenken. Die vertiefenden Varianten geben dazu Ideen und Orientierung, stellen aber keine finalen Ausarbeitungen oder Planungen dar. Auch eine Aufstockung mit zusätzlichen Wohnungen wurde geprüft. Sie ist derzeit nicht angestrebt, wäre aber nach Einschätzung der Expert*innen ebenfalls wirtschaftlich möglich und theoretisch später nachholbar.

Studie hilft bei Mieter-Suche – Konkrete Verhandlungen laufen

„Die Erkenntnisse und Ideen der Machbarkeitsstudie sind für uns eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung der Zukunftsperspektive“, betont Werner Müller, General Manager der Azad-Firmengruppe. Vor Beauftragung der Studie hatte das Unternehmen lange Zeit vergeblich nach künftigen Nutzer*innen gesucht. Nun stehe man nicht nur für das Erdgeschoss, sondern auch für das erste Obergeschoss bereits in konkreten Verhandlungen mit Interessent*innen, so Müller. „Die Studie ist dabei sehr hilfreich, weil sie Möglichkeiten jenseits des Ist-Zustands anschaulich macht.“ Genaueres zum Obergeschoss werde das Unternehmen bekanntgeben, wenn Verträge unterzeichnet seien.

Langfristige Lösung ist wichtig für die City

„Die Machbarkeitsstudie für das Azad-Haus erfüllt genau den angestrebten Zweck“, sagt Friedrich-Wilhelm Corzilius, stellvertretender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. „Eigentümer und Mietinteressent*innen arbeiten jetzt nicht mehr mit einer Blackbox, sondern wissen, was möglich ist und was nicht. So führen die Gespräche zu Lösungen, die wirklich langfristig tragen. Das ist im Sinne der Stadt Dortmund, denn ständige Fluktuation oder wiederkehrende Leerstände in derart zentraler City-Lage gilt es zu vermeiden.“ Mit Vorliegen der Machbarkeitsstudie sei das finanzielle Engagement der Stadt allerdings abgeschlossen. Verantwortung und Kosten für die weitere konkrete Planung mit den Mieter*innen lägen nun bei den Eigentümern.

Die Machbarkeitsstudie wurde gefördert aus dem Landesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren Nordrhein-Westfalen“. Der genutzte Förderbaustein zielt darauf ab, neue Perspektiven für große Einzelhandelsimmobilien zu eröffnen, denen maßgebliche Bedeutung für die Innenstadtentwicklung zukommt.

Die gesamte Machbarkeitsstudie steht online zum Download bereit:

dortmund.de/citymanagement


Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.

Investigativ, lokal verwurzelt, hartnäckig in der Recherche. Konrad Faktenfels bohrt nach, wann andere aufhören zu fragen. Sichere Quellen, klare Haltung, leise Ironie. Seine Texte sind präzise gesetzt, Fakten geprüft, Thesen geschärft wie Kreide auf Schiefertafel.

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