Museum Ostwall zeigt Sonderausstellung „Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ auf der Ebene 6
Die Wege unseres Mülls sind verschlungen und führen oft an überraschende Orte. Folgt man ihnen, offenbaren sie gesellschaftliche Spannungen, Konflikte und Zerstörung, globale Abhängigkeitsverhältnisse und Ungleichheit. Die von Christina Danick und Michael Griff kuratierte Ausstellung „Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ zeigt Graphiken, Fotos, Installationen, Videos, Skulpturen, Medienkunst sowie Konzepte für Land Art und Aktionskunst. Thematisch in fünf Kapitel gegliedert, schlägt sie einen Bogen von den späten 1950er-Jahren bis heute. Dabei zeigt sie einen engen Bezug zur Sammlung des Museum Ostwall: Ein Drittel der Arbeiten ist aus dem eigenen Bestand. Speziell für die Ausstellung angefertigt wurden die Auftragsarbeiten „Obsolete Swings“ von Ana Alenso und „TC-2000“ von Akwasi Bediako Afrane.
Surrende Modellbahn in Matrix-Szenerie auf Dortmunder Elektroschrott
Seine Arbeit „TC-2000“ hat Akwasi Bediako Afrane in enger Zusammenarbeit mit dem Kurator*innen-Team entwickelt: Von Modellbahnen umsurrt und Bildschirm-Geflacker durchzuckt, scheint die aus Dortmunder Elektroschrott geschaffene Stadt lebendig. Sessel mit 3D-Brillen locken die Besuchenden, selbst virtuell in die Installation einzutauchen, mit ihr zu verschmelzen. Inspiriert ist TC-2000 von Filmen wir „Matrix“ und „Alita: Battle Angel“. Der Künstler nimmt hier Bezug auf die Entsorgung europäischen Mülls in Kumasi, seiner ghanaischen Heimatstadt und zugleich Dortmunds Partnerstadt.
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Säle, die von großformatigen Installationen beherrscht werden. Wie die Landschaftsszene aus Elektromüll des Künstlers Krištof Kintera, die sich wie ein Pilzgeflecht über den Boden zieht. Kabelstränge werden zu Autobahnen, Platinen, Motherboards und Stecker zu Häuserblocks, Stadtvierteln und einer fernen Skyline.
Im Nachbarsaal können Besucher*innen durch einen von einem Drahtgeflecht überdachten Gang laufen. Abfallstücke oben auf dem Geflecht verdecken Licht und werfen Schatten auf die Personen darunter. Die bedrückende Installation des Künstlers Kader Attia simuliert die Situation in Hebron im Westjordanland. Die palästinensischen Bewohner*innen von Hebron schützen sich mit Netzen vor dem Müll, der aus höhergelegenen Stadtteilen auf sie „herabregnet“.
Kunst aus acht Jahrzehnten im Dialog
Die Ausstellung lässt die Arbeiten aus den verschiedenen Zeiten in einen Dialog treten. Die Darstellungsformen wandeln sich, doch die Themen weisen deutliche Kontinuitäten auf: Umweltverschmutzung, Konsumkritik, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Müll und vor allem die Rolle internationaler Abhängigkeitsverhältnisse sind wiederkehrende Aspekte. Ana Alenso beschäftigt sich mit der Praxis des „Urban Mining“ europäischen Elektroschrotts im Globalen Süden, also der Rückgewinnung enthaltener Wertstoffe mit einfachsten Mitteln. Ihre Arbeit tritt in Resonanz mit den von Anna Zett behandelten Giftmüllimporten der DDR aus Westdeutschland. Beide Arbeiten verweisen auf den ambivalenten Charakter von Müll als Abfall und Ressource bzw. Devisenquelle und auf die Auslagerung seiner negativen Umwelt- und Gesundheitsfolgen.
Die Ausstellung integriert Museumspädagogik und Anliegen Dortmunder Umweltinitiativen
Videopanels begleiten die Exponate. In den Filmen kommen zu Beginn der verschiedenen Ausstellungskapitel Umweltexperten der „Critical Friends“ zu Wort, die die Kurator*innen als Beirat bei der Ausstellungskonzeption unterstützten. Ein eigener Ausstellungsbereich wird vom „Klimabündnis Dortmund“ betreut. Eine Wand prall gefüllter gelber Säcke konfrontiert die Besuchenden mit 29 Kilogramm Plastikmüll – dem durchschnittlichen jährlichen Verbrauch einer Person in Deutschland. Der Zusammenschluss ehrenamtlicher Dortmunder Umwelt- und Klimaschutzinitiativen informiert dort über Kreislaufwirtschaft, Müllvermeidung und Eigenengagement.
Grüne, stinkende Stars der Ausstellung: die Olchis
Um das Ausstellungsthema allen Generationen näherzubringen, springen dem Museumsteam wichtige Helfer zur Seite: die Olchis des Kinderbuchautors und Illustrators Erhard Dietl. Im „Krams und Kunst-Labor“, einem Workshop-Raum in der Ausstellung, regen die frechen grünen Müllmonster Kinder und Erwachsene zur kreativen Beschäftigung mit dem Thema an. Es sieht wirklich aus wie bei den Olchis daheim, sogar Original-Familienbilder der Olchis hängen im Goldrahmen an der Wand. Sie wurden extra von Erhard Dietl für die Ausstellung gezeichnet. In der Ausstellung geben weitere Olchis-Bilder an den Wänden Hinweise für eine Rallye durch die Ausstellung.
Rahmenprogramm
Vorträge, Workshops und Führungen vertiefen die Themen der Ausstellung. Kreativ- und Mitmach-Angebote für Kinder und Erwachsene laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. Ein Mitmach-Heft liegt für Kinder und Jugendliche beim Besuch kostenlos breit und ist der Start für eine spannende Reise durch die Ausstellung und darüber hinaus: Es soll dazu anregen, sich intensiver mit dem Abfall zu beschäftigen.
Die bei Spector Books erschienene Begleitpublikation „Müll. Ein Reader über die globalen Wege des Abfalls“ enthält Texte von Wissenschaftler*innen und Kunstschaffenden auf Englisch und Deutsch, die ausführlicher auf Themen der Ausstellung eingehen.
Kurzinfos
Die Ausstellung „Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“ des Museums Ostwall ist vom 27. März bis zum 26. Juli im Dortmunder U zu sehen.
Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund 0231 50-24723, info@dortmunder-u.de
Öffnungszeiten: Di, Mi 11-18 Uhr, Do, Fr 11-20 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr, an Feiertagen 11-18 Uhr.
Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro / 5 Euroermäßigt.
Quelle: PRESSE-SERVICE.DE.
